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entzündungsgehemmt/

Mein Handgelenk entzündet sich. Ich knote lieber das bojenrote Schleifchen um den Arm. Ich mach bei einem Gewinnspiel mit und gewinne eine Nordenglandreise; die Postkarte kann man unendgeltlich verschicken. Ich kann meine Adresse noch nicht eintragen. Ich überlege bis ich übermüdet bin und mich das Klacken der Lackschuhe nicht mehr sehr stört. An die Nacht gibt es keine Errinnerungen. Bei der Wirbelsäulengymnastik fällt nur Mavels stoßartiges Lachen auf. Die Gummimatte ist blau und dünn, es ist kalt. Alle liegen auf Rücken und Bäuchen. Wir machen Übungen die anstrengend wären, wenn sie länger dauern würden. Das quietschende glockenspielgeräusch der ungeölten Fahrstuhlmechanik dauert den ganzen Tag. Mir fällt ein laufender Kopierer auf. Die Wände des Treppenaufganges sind himmelblau gestrichen und mir geht alles universelle auf den Geist. Gitte geht das Klacken der Lackschuhe auf den Geist, sie kann dabei nicht schlafen: die Morgenrunde stimmt zu. Gitte soll morgen raus, sie braucht mehr Disziplin. Immernoch Himmel-Blaue-Gänge, ich lasse das EEG machen. Von einer Schwester in Tigerleggins werde ich auf einen felligen Sessel geführt; sie legt mir die Gerätschaften an: die Mütze, darunter Elektroden, darunter körnige Leitmasse. Bald ragen Schläuche aus meinem Kopf und eine Maschien notiert meine Gedanken; ab und zu muss die Schwester schmunzeln. Die Papierschlange ist unendlich und faltet sich am Ende selbst kompakt zusammen. Sonst sehe ich wenig, die Hälfte der Zeit soll ich die Augen schließen und schwer atmen. Tropfen rinnen aus meinen Augen als ein Flackerlicht davor gestellt wird. Ich lasse mich zurückbringen und gebe die Eektrode aus meinem Ausschnitt ab. Ich wasche meine Haare nicht. Der Chefarzt verdonnert eine halbe Stunde Ausgang; Medikamente werden geändert. Die Diagnosen kosten Zeit und ich mache nichts mehr mit Mosaiksteinen, sondern mit Pilzomlett. Das ist laberig. Inder Tanztherapie löse ich mich völlig, soll ich in den sportraum tanzen, schere ich aus, der langsame Takt. Die Psychoten kommen immer auf einen zu, immer sagen die Ärzte sie kommen auf einen zu, wie ein Leckerlie ins Hundemaul fliegt. Den Makel gilt es zu akzeptieren, mehr Psychologen werde ich mir nicht mehr anschaffen, aus Zeit- und Kostengründen. Ich lausche einem Gespräch über Hunde im allgemeinen und dem Colli von Gunte. Sie sitzt im Tollstuhl und sagt Hunde sind wie Kinder und strampelt mit den Armen. Ich muss rausgehen, einen Hund darf ich nicht, aber ich finde Uwe. Meine Kraft wird zru Klaviersuche aufgewendet und Uwe spielt die Mondscheinsonate fehlerfrei. Der dicke Musiktherapeut hält mich für die Krankenschwester, weil ich die Brauen hochziehe als Uwe redet. Im Innenhof gehe ich nur zur Hälfte die dunkelviolette Stiefmütterchenallee entlang, dann auf die Wiese zu Uwe und versaue die geile Frühlingsluft. Annmarie spielt super Tischtennis für vierundsechtzig Jahre. Die Brigitte gibt Föntips für volluminöse Stylings. Dann Sauergurken im Käsemantel. Ich habe eine Wimper zwischen den Fingern und spiele mit ihr bis mir auffällt, dass es eine Wimper ist. Ich puste sie weg, sie fällt auf den Kugelschreibermine und bleibt kleben als ich schreibe: Das Raupenkettchen hat einen Abdruck hinterlassen.
30.3.08 21:09
 


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