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vorgeschoben/

Ich mache Ohropacks rein, die die Geräusche ziemlich nervös machen; und liege dann bis fast übers Frühstück: das ich mit nur einem Brötchen und Flake bezwinge. Ich bekomme bald Nadel und Faden, dann muss ich den Blusenknopf suchen. Ansonsten modeliere ich einen Tonopakopf. Der Künstler mit Halbtagsstelle stellt ihn weg und sagt ich kann helfen Schachfiguren zu entwerfen. Ohne Streit nehme ich mir das für Montag vor. Mittagsprogram: Psycho,Milchreis, login. Die Psychaterin sucht mich den ganzen Tag: ich vermute sie hält ihr Agnegesicht an die Holzamaturen gequetscht: redet sich raus, dass das Fett gut für Eiche sei. Aber ich verstecke mich nicht. Ich streichle meine Haare, bis alle möglichen lose auf die schwarze Hose gefallen sind (und mein Daumen liegt dort sehr schön lang und zart im halben Nagelmond). Ich sitze neben dem Würfelzucker, die Psychologin bleibt aus. Gate lernt arabisch, aber sie keinen arabischen Freund. Ihr Besuch hat schwarze Strähnen und einen Oberlippenbart. Auf den schiele ich und tue als fixiere ich die Teebeutel auf dem Tisch. Gate hat eine kleine Sammlung aus, mit grünen und blauen Beschriftungen versehenen, Tebbeuteln angelegt: sinnloses Aroma. Nur der Hibiscusbeutel ist feucht. Wir gehen Tee trinken mit Annmarie und PETRA: lesen über Heidi Klumms Erfolgsgeheimnis und die Namen ihrer Brüste. Beim Gedächnistraining rätseln wir zusammen, ob alle bitteren Früchte giftig sind, wenn ale schlecht schmecken würden.
No kommt und bringt mir Schüsslersalze, die er für Vitamine hält. Wir vergessen die Sache, wenn die Blechbläser am Heckeschen spielen. Die einzige Erwerbung bleibt Olivencreme von Rossmann-Kosmetik, No wartet draußen mit Döner aus äußerst frischen Blaukraut. Wir essen es vorzüglich mit geschlossenen Augen in die blendene Sonne. Berliner Weiße stimmt hell, ist grün; und windiges Pfeifen zu hoher Töne, zu leise: ziehen wir ab. Wir ziehen die Salatgabeln schwer hinter uns her und die schmalen Furchen sollen fruchtbar sein: tatsächlich essen wir Eisberg und handeln wir intellgent. No telefoniert und ich mache seine Fingernägel sauber mit meinen. Und er hält ein Auge offen und sieht die hellgelben Wurzeln der Mitesser seiner Nase in die kurzlebige Höhe sprießen, bevor sie sich durch Haltlosigkeit in schneckenartige Voluten kringeln und am Ärmel abgespeist werden. Ich lecke meine Finger ab. Lieber isst er harte Birne. Der Hase in meiner Hose ist zu Muß erstickt. Wir spielen Mensch ärger dich nicht, weil ich mich nicht ärgern soll, und No ist raus. Das Bild über meinem Bett zeigt jetzt rot-grün gestreifte Tannen. Im Traum sind es grün-rote Briefe. Die Ohrstöpsel fallen einmal raus.

27.3.08 20:04


verwässert/

Die Nacht beginnt schwammig mit ein paar nassen Füßen im Bad. Sie geht weiter, verschwommen, sind die Bilder im Traum von dem Vater der sich das Genick bricht und seinem Kind hinterher schwimmt, während ich nur No Reitunterricht gebe. Aus meinem Bettzeug muss ich mich schaufeln, quälend, der Schweiz zwischen den Schenkeln. Aber um sechs ist endlich Schluss damit, denn die schnarchende Zimmergenossin Nummer Zwei geht duschen. Zum Glück wiederholt sie immer, dass es Frühstück, Mittag und Abendbrot gibt. Ich folge immer später; gucke auf die goldene Kugel neben goldenem Hasen; damit sie weiß, dass wir nicht zusammen gehen. Ich komme mit Gate mit zum Morgensport, den die Teuerkauf macht. Wir massieren die Füße mit Stachelbällen, das mochte ich nie. Wieder neue Ärzte stellen wieder den Sinn der Gruppentherapie dar, aber es heißt nur noch Morgenrunde, niemand sagt etwas dazu. Bei der Ergotherapie wähle ich die unelegante Lösung. Der Mann findet es schlecht, wenn ich die Mosaiksteine über den Holzrand klebe und will, dass ich nicht alles so dicht lege, sondern mit Freiraum und Fugen. Und nicht nur eine türkise Fläche. Er sieht seine Dummheit nicht ein, soll er doch Kohlrolladen rollen. Das Gruppengespräch ebenso kunstvoll: ein Dreieck entsteht ohne Lösungsvorschläge: Ich entleere mic mit Carokaffee, Apfel und Mamorkuchen – es riecht nach Weizen als es wieder rauskommt. Entschlackung ist gut, Bewegung ist besser, haben viele gedacht und akkurate Ringe in den beigen Vorhang gekokelt. Ich suche einen dicken Jungen zum Tischtennis und gewinne beide Spiele. Kaum Schweiz davon, doch ich gehe mit No auf die Brücke; über dem Wasser kann ich stehen, ganz gerade; rufe den Vater an; und No tief in meine hellen Irisse sinken lassen: sie leiten ihn ins Bad. Dort ist der Boden beige und von einem minten Muster bezogen. Der Ablauf zieht schlecht und es entsteht eine Pfütze, die die Fliesen bläut. Der beste Wasserstrahl der Welt wird drauf gehalten und müsste gefilmt werden, wie er das Licht bricht. Ich muss noch meine Wäsche waschen; als ich die weißen Socken dazu finde ist No gegangen. Er hinterlässt mir eine Pinzette, der Himmel ist schon tiefschwwarz, da erkenne ich die zarten Stiche im blauen Handtuch: zarte royale Herzen.
26.3.08 20:03


heißgebeten/

Ich höre noch Musik und lasse mich auch nicht vom lauten Türklopfen abbringen, ich höre mit Kopfhörern. Jemand singt die Nacht durch den Gang von seiner misslungenen Karriere als Leistungssportler. Zum Aufwachen gibt’s etwas Blut zwischen den Beinen und Pflaumenmus auf Kräuterquark. Ich versuche immer Kiwi zu essen, aber die ist sauer. Ich trage sie immer angespannt vom Vitamingehalt mit ins Zimmer, in den Essensraum, ins Zimmer. Heute ist der Morgenhimmel bedeckt, ich muss das Hauptlicht anmachen. Die Vertretung der Ergotherapie macht eine Poetik, wie Gedicht; sie hat keinen Schlüssel. Also stanze ich Sterne in ein Blatt und schiebe gelbes Krepppapier dazwischen durch; ich will nichts machen, das man schon wieder verschenken kann. Molli macht sinnvolle Türvorhänger, damit niemand kommt, wenn man pisst. Uwe kriegt auch einen, auch wenn man bei ihm nichts sieht, wenn er pisst. Er und ich werden von Mavel abgeholt, sie ist schwarz und aus Ghana. Weil ich mein rotes Raupenkettchen trage und Mavel noch goldene Schuh, fällt Uwe auf, dass wir Deutschland sin. Mavel bringt uns ins Labor. Im Keller ziehe ich mich aus und bin eine bereitwillige Ratte fürs EKG. Zurück nach oben mache ich einen introvertierten Eindruck und fummle an meinem Band. Uwe kennt alle, die einsteigen; Mavel ist die große Liebe seines Vaters. Ich gehe mit ihr und wenigen anderen einmal um den Grünteil im Innenhof. Man sagt mir, ich sehe französisch aus wie Amelie, mit schwarzer Mütze, schwarzem Schal, beide angeschrägt. Dann muss ich mich umziehen, meine Sachen wurden schon in ein anderes Zimmer getragen; mein Nachttisch schläft schon auf der anderen Seite, ich muss noch nachkommen. Ich komme kaum nach, es war schon längst Mittag mit Maultaschen. Ich gehe zum Gedächtnistraining und breche den Rekord: noch nie gab es beim Wort Kniebundhosen kein Problem. Ich vergesse der Psychologin von dem Erfolg Bericht zu erstatten, aber sie merkt selbst, dass ich nicht so einfach gestrickt bin. Die Psychiaterin lenkt mit ihrer Akne vom Wesentlichem an, sie begleitet mich zur Psychotherapeutin: die hat ein Telefon- und –buch, damit ich den Zahnarzttermin verschiebe. Alles ist jetzt gut, aber ich muss Thomas umarmen; auch das neue Zimmer ist unsympathisch: Gate sagt ihren Namen und, dass wir hier die Männer draußen lassen. Die trockene Luft scheucht mich raus. Im Essensraums werde ich eingeschlossen. Niemand hört auf das dreimalige Klingelgeräusch von der Eingangstür: eine viersekündige Bedarfsmelodie. Der Bedarf ist das Valium, der Schlaf; bei mir ein Teller mit Kiwi. Bevor die Schwester die Tür zum Bedarf ganz geöffnet hat, bin ich bei No. Ich ziehe ihn mit, denn es gibt Knacker und Tomaten, die ich salzig mit gutem Butterkäse verspeise. Wir treffen uns auf den blauen Kissen der Gartenstühle auf der Brücke; und stellen fest: der Südflügel: ein Neubau: das Cäciliahaus längst nicht fabrikschön. In einer verwahrlosten hohen Fabrikhalle würden wir uns wie Vampire verhalten. Das Blut tropft und ich bitte No Binden mitzubringen.
25.4.08 23:22


ausgegangen/

Ich stelle mich mit der leeren blauen Plastiktasse vor die Tür, denn das habe ich noch nicht gemacht. Hier ist eine Nische im Gang, in die ich mich ungesehen lehne; in der Ecke ein Spiegel in Fischaugenoptik sagt den Fall an, dass jemand kommt. Die Glastür nach außen zeigt den Fahrstuhl nach unten. K0 leuchtet rot die Amatur daneben: K1, K2, K3, K4, NO. Er zieht an der Hand, die Schwester zeigt den grünen Daumen, die Fahrstuhltüren schließen wieder. Erst besichtigen wir Hedwigs Brücke: die abgestandene Luft einer Speiseröhre, jedoch lichtdurchflutet durchsichtbar. Die ersten Schritte zur Spree schweigen wir zügig. Vor’m Dom ducken wir uns am Eingang und sehen wie jede Kirche aussieht und die Kuppel. Richtung Staatsoper kommen wir ins Deutsche Historische Museum: eine Installation zeigt die Grenzentwicklung Europas der letzten zweitausend Jahre. Sonst gibt es im Eingangsbereich noch Beamer, die die Ausgänge anzeigen. Vor dem Museumsshop steht schon ein Postkartenständer mit einem nackten Paar, das einer Schulklasse das Kondom präsentiert. Die Größenrelationen sind schockierend: die Kindsköpfe würden locker durch die Muschi in der Bildmitte passen. Ich nehme es mit, aber die Linden möchte ich nicht weiter unterwandern. Hinten ist ein zweiter Eingang; unser geübtes Besucherverhalten verschafft uns Eingang: bei Napoleon. Die goldenen Bienen auf seinem Mantel seien ein besonders verweisendes Zeichen, sagt ein Student. In unseren Mäntel ist es warm, wir bleiben zwischen Biedermeier und Wiener Kongress. Wir gehen wie wir gekommen sind, über die Schütler-Treppe, aber ich sage: wir schütteln die Treppe runter. Und ich sage: wir lustwandeln über die Domwiese, vorbei am Gerippe des Palastes der Republik aus der ich noch stamme. Aber wenn wir unsere Schuhe ausgezogen haben werden wir ganz alle. Und stumpf: wir schweigen. Und ungemütlich: wir essen nur Salat. Im Haus gegenüber wird ein OP-Tisch abgewischt, in der halbrunden Deckenhauptlampe spiegelt sich nur das Fenster; mit der goldenen Kugel spiele ich nicht, vielleicht sitzt der Frosch gar nicht mehr im Brunnen, dann holt sie keiner raus. No betrachtet seine Fingernägel ausgiebig, während ich einen ausgiebigen Fingernägelartikel aus der Zeitung vorlese: Vielleicht Schuppenflechte oder Arthritis, wir kommen nicht weiter.
25.3.08 15:01


überhöht/

Die Nacht ist erst wie Rosis rote Sonnenbrille, da fängt der Blick Feuer. Ich sitze im Bett, mit ausgestreckten Beinen parallel und etwas spricht mir nach, wenn ich Jan Wagner lese. Bis um zehn liege ich wach von der Stille, bis um zwölf von einem Augenpaar wie meinem unterm Bett. Zur Wiedergutmachung kaufen wir im Schlaf Kekspackungen für bis zu 40 Euro. Dazu einen Film mit einem Model, das keinen Sex mehr will, aber Pizza mit extra Sahne. Ich biete beim Frühstück Abwechslung mit einem Gespräch älterer Herrschaften über Kurorte mit „Usedom“ ein. Dann gibt es meine erste Gruppentherapie: Gitte fragt, ob man immer Muckefuck hinstellen kann. Schwester Carmen berichtet, dass immer jemand alle Milch in die Caro-Kaffee-Dose gießt und dann die Teelöffel in diese Pampe steckt. Niemand sieht mich lachen. Zwei sagen, dass das hier eine Luxusvilla ist. Ich will, dass immer jemand klopft bevor er reinkommt. Es soll später ein Gartenspaziergang gemacht werden. Man wird sehen, ob ich mitkomme. Sicher ist, dass ich mir Tee hole. Gleich im Raum gegenüber vom Gruppentherapieraum ist der Ergotherapieraum, jetzt sitzt die Gruppe da und malt. Ich nutze meine Position als Patient und stelle mich stumm an den Türrahmen, gleich spricht der Mann mich an: er möchte, dass ich kleine Schalen töpfere zum Verschenken oder für Oliven. Bevor ich beginne glasierte Mosaiksteine auf einem Bilderrahmen kleben holt der Chefarzt mich raus. Ich muss die ganze Zeit auf dem Flur stehen und ich muss davon schwitzen. Er lässt mich gehen und die Ergotherapie ist vorbei. Ich kann auch nicht in mein Zimmer, da wird geputzt. Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn die Putzfrau mein Zimmer putzt. Ich glaube auch nicht, dass sie gut putzt. Trotzdem gehe ich essen, es gibt Grützwurst, sie nennen es Blutwurst, ich esse Fisch. Er ist blau und hätte besser in Senfsoße gepasst; der Himmel ist auch blau und No und ich würden gut drunter passen. Später gehe ich mit ihm raus. Draußen grub ein Gärtner gelbe Stiefmütterchen ins Beet, denn die Erde ist dunkler als wo sie neu sind, von oben ist das gut zu sehen. Später, unten, wühle ich da durch. Um die Ecke sind die Hackeschen Höfe, hier bin ich dann die hackesche Ratte. Sonst gibt es hier nur Raben. Einer ist gut: er patroulliert die Regenrinne. Dann sitzt er zehn Minuten am Ende, bis er sich falle lässt und lässig erst auf halber Höhe die Flügel schlägt. Der Gartenspaziergang fällt aus; Thomas streicht mir eine Paiette von der Wange. Diese Dinger spicken meinen BH; sie verteilen sich so vielfältig in der Umwelt wie Nos Haar; mir klebt auch schon eines am Eckzahn und funkelte, sagt Rosi.
25.3.08 00:00


weggelöscht/

Erfolgserlebnis am Mittag: der gleichgroße Schalter wie der Hauptschalter für das Hauptlicht, unter dem Hauptschalter ist der Schalter gleichgroß, für das kleine Licht am Luftabzug, das man nicht versteht, das nachts stört. Der Mittag beginnt also bunt; eine Schwester bringt Bild der Frau und Frau von heute, von gestern und vorgestern. Ich lese die Hits mit Hack und über Keilsandalen. Die Modetipps bringen nichts, ich trage das rote Schleifenbändchen vom Lindthasen ohne Glöckchen, als Kette für die Raupe. Gitte liegt wieder nur auf dem Bett, wir reden nicht; gestern habe ich mir eine Nagelschere geliehen um meinen neuen Pack Socken sauber in Paare zu trennen. Auf dem Flur ist Thomas. Später werde ich ihn vielleicht rezitieren und sagen zu No: Du und Thomas, ihr seid aus dem gleichen Holz geschnitzt, ihr würdet euch beide gegenseitig die Fahrräder klauen, wenn ihr welche hättet. Thomas sagt, ich sehe aus wie eine Piratenbraut, denn ich trage ein Kopftuch mi roten Ankern. Eine Frau in roter Strickjacke sagt, wir sind hier Menschen zweiter Klasse. No trägt immer eine dünne Wollrippstrickjacke mit kleinen Perlmuttknöpfen, die an der Hinterseite gammelig aussehen. Zur Feier des Ostermontags gibt es Lammgulasch. Ich fühle mich irre, als ich sage, dass ich bitte von den grünen Bohnen dazu hätte. In meinem Zimmer wächst eine Pflanze wie eine Bohnenranke am Fenster hoch. Falls sie rauswachsen will habe ich das Fenster immer einen Spaltbreit offen.
Bevor Besuch kommen kann, wache ich und striegle ich mich ordentlich und ziehe frische Socken an. Damit spaziere ich ein Stündchen den Gang entlang; und trinke Fencheltee. Thomas bessert dabei mein Russisch auf. Als er No als Musterschüler tituliert bitte ich ihn zu gehen. Er bleibt zum Tischtennis. Ich knote ihm noch seine Binde on der Hand, dann geht er zufrieden und wir bleiben zufrieden. Wir schwitzen. No wäscht seine Füße bevor er sich zu mir setzt. Auch Gitte kommt dazu und zieht aus, in K445, zu ihrer Freundin, ich dachte sie hat gar keine. Jetzt bitte ich No mir Reisezahnpasta zu besorgen. Erfolgserlebnisse am Abend: niemand wird heute Nacht mit schnarchen stören. No auch nicht: Er muss Taxi in Brandenburg fahren. Ich tröpfle ihm Teebaumöl in die Nase zur Beruhigung. Ich sage ich muss auch Nachtschicht machen: ich muss beim Bühnenaufbau helfen, weil mich selbst letztes Mal die Schrägen gestört haben. Ich wasche Nos Socken mit Bebe Young Care Shower Creme, die hellgrauen mit klarem Wasser. Ich hänge sie über die Heizung, denn niemand ist da.

24.3.08 11:20


durchgeschaut

Mein taubenblauer NIL-Kugelschreiber wird mit jedem Wort heller. Der Pfleger sagt: alle Pfleger brauchen alle Kugelschreiber und Minen haben sie sowieso nicht. Aber neben einem kahlen Strauß liegt ein oranger Kugelschreiber auf einem Tisch am Ganganfang, und ich tausche die Mine mit meiner, aber lange geht das nicht mehr.
Ich will schlafen, aber es gibt einen Zwiespalt, der sich nicht auflösen lässt: ein Licht lässt sich nicht löschen und gleichzeitig schnarcht Gitte (schon oder noch). Wenn ich das Licht wegen No anlasse, liegt er nie dabei im gleichen Raum und zersägt ganze Wälder. Mit Birken könnte ich leben, aber es sind mindestens diese dicken Elefantenbäume, die im Urwald stehen und von Greepeace geschützt werden.
Ich schnorre im Raucherraum: Sie dreht mir eine vom Tabak von Uwe, mit der Motorradjacke mit gelbe und neonpinken Streifen. Und er liest die deutsche Version aus einem zweisprachigen Märchenbüchlein und deutet die Zeichen. Ein Pole stottert die russischen Wörter. Ich schalte das Radio ein und nicke im Takt. Suse schlachtet ihr Lamm und füttert Uwe mit dem Kuchenkopf, ich gehe und versuche es mit dem Schlaf.
Es ist ein leichter. Ich grüße zweitstündig die Kontrolleure und träume zwischendrin alb. Einmal kümmere ich mich um einen Westiland White Terrier schlecht. Einmal drehe ich mich in einem beigen Sumpf mit Tiefseefischen, die sich an meinen ausgestreckten Bein festbeißen. Einmal besichtige ich mit No Konzertsäle und mir wird schwindlig von den schrägen, dass wir gehen.
Vor dem Frühstück creme ich mich im Bad vollständig ein. Wegen einer Vermutung fasse ich die heruntergelassene Hose am Bund. Ich ziehe viel zu langsam als der Pfleger einen guten Morgen wünscht. Darum weiß ich noch nicht, ob ich später duschen werde.
Im Essenraum sitzt mir ein riesig braungebrannter Mann gegenüber, mit kurzgeschorenem weißem Haar, massiv blauen Augen und engen Lederhosen, die man an den Seiten auf- und zuschnüren kann. Man erkennt den Gang an seinen Cowboystiefeln. Ich will mir schwarzen Tee holen, aber ich greife nach dem falschen Beutel. Ich frage den Pfleger, der mich nackt gesehen hat, nach Milch; ich Früchtetee wird sie lila und gerinnt. Ich nehme für No einen Heidelbeerjoghurt mit aufs Zimmer; ich werde ihn gegen den Stift tauschen, den er aus der deutschen Botschaft in Mailand hat; der NIL schreibt nur noch jedes zweite Wort.
23.3.08 19:29


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