Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


http://myblog.de/st.hedwig

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
lieber grüne Socken/

Der Pfleger der mich bringt sieht noch gut aus; die Fliesen grün machen einen hoffnungsvollen Eindruck. Der lange Gang ist leer und so bleibt das Gefühl als mir eine Kindergärtnerin erklärt wie ich Rabenkörper zu schleifen habe. In der Holzwerkstatt muss man immer Schürzen tragen, ich lasse Cäcilia die Wahl und sie pinkelt jeden einzelndn ans Bein. Später muss sie mit blauverschmierter Schürze neben mir sitzen und das Sandpapier falten und prüfen, ob die Raben glatt genug sind. Einmal wird sie rot, als ich ihre Stoppeln am zweiten linken Bein sehe. Aber ich habe den Rasierer weggeschmissen. Verdrossen machen wir Pause. Als die Frau von der frühzeitigen Mittagspause überzeugt ist renne ich durch Hedwigs Nord und West und Ost und endlich zurückk und will der Ärztin meinen Hass auf Holz erklären. Meine Inkonsequenz wird gescholten und mit drei mal DOCH soll ich um zwei zum zweiten Mal zur Tagesklinik. Ich muss also einen zweiten Pullover anziehen und Zigaretten kaufen gehen. Die Schwester glaubt mir, dass ich süchtig bin und außer Atem am Alex rufe ich No an. Wir genießen den langen Nachmittag und drehen die Heizung auf. Die junge Zahnärztin dreht den Sessel ungewöhnlich weit zurück. Ich liege kopfüber, aber niemand ist da der mich holen will; die Sorge ist ganz auf meiner verdrehten Seite. Die junge Frau hat ausnamsweise einen Mundschutz vor dem Gesicht, ich erkenne sie trotzdem, sie hat Mundgeruch und erkennt meine Schmerzen nicht. Peter Turrini hatte Schmerzen. Als er eine Schreibblockade hatte kam er in die Psychatrie. Sein arzt konnte ihn einfach davon überzeugen indem er die geringen Kosten einer Taxifahrt zum Krankenhaus mit den emensen Aufwand seiner Beerdigung verglich. Als Künstler muss er eingesehen haben, dass der Vergleich nicht zieht, denn er hätte wohl kaum für die Bestattungsorgen müssen. Sein Restvernunft aber brachte ihn in die Klinik und er bekam bunte Pillen und sah bunte Regenbogen. Und er schrieb, ganz unerwartete denn er war Dramatiker, Gedichte. Ich kaufe das Buch bei Hugendubel und fahre dann zurück zur Klinik. Allerdings mit No, seinem Gewerbeschein, und einem gültigen Fahrausweis. Dabei schon nervös genug, was man mit mir machen wird: Ausgangssperre oder Rausschmiss. Der Fahrstuhl fährt viel zu schnell in den vierten Stock. Die Kraushaarlockenschwester schließt die Tür auf, öffnet aber nicht, geht wieder. Es passiert nichts. Ich sitze auf der Bettkante: Alles muss man selbst machen.
3.4.08 09:05


wie kleber in den nasennebenhölen/

Es sind ganze Sätze im Kopf. In der Nacht sage ich: Ich schwitze, es ist heiß, aber wenn ich das Fenster aufmache bin ich zu laut. Gate ist auch laut morgens. Aber ich bin nicht Gate. Ich gehe leise ins Bad und Gate ruft hinterher, dass es Frühstück gibt. Ich schreie den Spiegel an, dass es jeden Morgen Frühstück gibt. Meinen Schuhen sage ich, dass sie die Schubladen nicht so laut zuknallen soll. Gate sagt dem Schrank: achso. Ich mache mein Bett nicht, um passiv Unordnung zu schaffen. Um meinen Gram zu verdeutlichen esse ich Kornflakes aus dem Plastikbecher und mit großen Löffel, dass die Milch fast überschwappen könnte. Weil eine warm angezogene Frau nach Urin riecht, glaube ich die Milch ist gelblich. Ich schaue eingehend hin. In den Spiegel, den ich fertig klebe, egal wer mich ruft. Jetzt fehlen nurnoch zwei Haken hinten dran und das Datum falls das wichtig ist. Morgen kann ich das nicht machen sagt die Ärztin, ich habe einen Probetermin ind er Tagesklinik; sagt zweimal die andere Ärztin. Bei ihr gibt es: viel zu sagen und ich verpasse das Mittagessen. Stattdessen füttere ich mich mit meiner negativ ausgeprägten Phantasie und Cäcilia strickt fleißig. Ich habe meine Spinne liebevoll Cäcilia getauft, weil sie hier auf der Station geboren wurde und nicht in Paris. Das heilige Sankt vor dem Namen habe ich weggelassen, obwohl sie fast eine Heilige ist und mit ihren langen Beinen den Hai und den Kaputzenjungen abwehrt jede Nacht. Wozu sonst acht davon. Das rosa Wollknäul macht sie zerbrechlich bei ihrer Größe. Die Ärztin sagt ich soll eine Brille tragen, um die Realität besser zu sehen, aber mit Cäcilia mache ich kleine Schritte; ausholende Schritte am Gemeinschaftsraum vorbei, um das Gedächnistraining zu schwänzen. Ich will Tannen malen, aber es gibt keine Stifte. Annmarie sagt, ich könnte mit No ins Pergamon-museum gehen, aber das finden wir gut und verabreden uns für Mittwoch. Ich mag sie: paranoide Menschen sind romantisch. No und ich sind utopisch: auf der Suche nach mehr guter Lyrik; durchstreifen wir die Stadt bis zum ASIA-SNACK, mit Hockern die unter die Tische passen. Ich schlage No, bis ihm mein trockener Fisch aus dem Mund in die Erdnusssoße fällt. Die Unhöflichkeit steht Gleichstand: wir fassen uns nicht an. Wir lassen uns an die Luft und nehmen heiße Schokolade und Rum, bis wir denken ohne uns geht es nicht. Atemlos sind wir pünktlich zurück, aber die Vernunft hat nie zu hohen Blutdruck: ich bleibe in der Klinik. No fährt Heim und ruft an um zu sagen, dass wir kein Heim haben: die fröhliche Frau hat abgesagt, weil ihre neue Wohnung zu hellhörig ist. Ich schlafe nicht ein; Gates Atem klingt wie ein falsch betontes Gedicht.
2.4.08 01:56


Tage wie heu/

Ich beglotze die Gardinenfalten als Wand von der Decke fallen wie geriffelte Felsen. Felsen gibt es vielleicht auf Bermuda. Berge; Teeberge in Indien. No und ich müssen durch die niedrigen Sträucher luken und suchen wie im Labyrint; Kreuzworträtsel: Wagner der keine Musik gemacht hat: Jan: Layrik: achtzehn Pasteten: shepherd's pie: Löschpapier zwischen Mett. Auch zum Frühstück keine Mettwurst mit Zwiebeln. Davon wird mir schlecht. Lieber schlage ich weiter auf menschenfressende Spinnen ein und lasse No vorgehen im Dschungel. Durch Geäst und Gitterstäbe und Gardinen, wie Nebel vor dem Zimmerfenster, denn Gate zieht sie immer zu. Denn Hedwigs Nordflügel erinnert sie an eine Behindertenschule in der Kindheit. Ich weiß nicht, ob es der Nordflügel ist, die Sonne ist selten. Wenn ich den Vorhang aufziehe liegt blaues Tranzpaparenzpapier auf der roten Hauswand. Das Haus mit dem Tattooladen ist demnach grün. Der Anker auf meinem Hals wird marine werden, unsichtbar im Meer. Frachter ziehen vorüber,es gint noch längst keinen Kuchen zum Frühsport. Es gibt Schweiz und Medizinball ohne Nebenwirkungen, außer leichte Ermattung (ansonsten fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker). Die Matten stehen bourdeaue-rot an den Wänden, wie Weingläser an Tischkanten und wir taumeln im Takt; don't worry be happy now düdüdü. Ich pfeife auf den Tiefschlaf, ich träum den Tag: verbünde mich mti der strickenden Spinne. Wenn sie fertig ist mit den acht rosanen macht sie auch zwei Wollsocken in meiner Größe. Wir halten unsere Beine nebeneinander, meine sind rasiert, ihre in der Überzahl. Der Deal ist, dass sie bei mir bleibt, ohne dass ich eine Leine kaufen soll. In manchen Situationen lässt sie mich nämlich gern allein und fährt weiter nur Ring-Bahn. Die Bahn streikt heute nicht, ich bin erreichbar. No und ich erreichen endlich den Gipfel, haben frei Sicht und einen Papagei auf der Schulter, der heißt Thomas. Aber heute fliegt er barv weg, als ich sage, dass ich müde bin. Ganz oben ist die Luft aber dünn, ich schlafe nicht ein, trotzdem stelle ich den Kopfteil nicht wieder in die waagerechte Position: Ich huldige erhaben dem Tagtraum. Daher esse ich Pfeffersteak zu Mittag im Resturant. Das Fett wird beim Sport verbrannt, heute ist Qi Gong. Und ich mache den Kranich und ich mach dir den Hirsch baby, yeah. No kommt nicht.
1.4.08 08:09


entzündungsgehemmt/

Mein Handgelenk entzündet sich. Ich knote lieber das bojenrote Schleifchen um den Arm. Ich mach bei einem Gewinnspiel mit und gewinne eine Nordenglandreise; die Postkarte kann man unendgeltlich verschicken. Ich kann meine Adresse noch nicht eintragen. Ich überlege bis ich übermüdet bin und mich das Klacken der Lackschuhe nicht mehr sehr stört. An die Nacht gibt es keine Errinnerungen. Bei der Wirbelsäulengymnastik fällt nur Mavels stoßartiges Lachen auf. Die Gummimatte ist blau und dünn, es ist kalt. Alle liegen auf Rücken und Bäuchen. Wir machen Übungen die anstrengend wären, wenn sie länger dauern würden. Das quietschende glockenspielgeräusch der ungeölten Fahrstuhlmechanik dauert den ganzen Tag. Mir fällt ein laufender Kopierer auf. Die Wände des Treppenaufganges sind himmelblau gestrichen und mir geht alles universelle auf den Geist. Gitte geht das Klacken der Lackschuhe auf den Geist, sie kann dabei nicht schlafen: die Morgenrunde stimmt zu. Gitte soll morgen raus, sie braucht mehr Disziplin. Immernoch Himmel-Blaue-Gänge, ich lasse das EEG machen. Von einer Schwester in Tigerleggins werde ich auf einen felligen Sessel geführt; sie legt mir die Gerätschaften an: die Mütze, darunter Elektroden, darunter körnige Leitmasse. Bald ragen Schläuche aus meinem Kopf und eine Maschien notiert meine Gedanken; ab und zu muss die Schwester schmunzeln. Die Papierschlange ist unendlich und faltet sich am Ende selbst kompakt zusammen. Sonst sehe ich wenig, die Hälfte der Zeit soll ich die Augen schließen und schwer atmen. Tropfen rinnen aus meinen Augen als ein Flackerlicht davor gestellt wird. Ich lasse mich zurückbringen und gebe die Eektrode aus meinem Ausschnitt ab. Ich wasche meine Haare nicht. Der Chefarzt verdonnert eine halbe Stunde Ausgang; Medikamente werden geändert. Die Diagnosen kosten Zeit und ich mache nichts mehr mit Mosaiksteinen, sondern mit Pilzomlett. Das ist laberig. Inder Tanztherapie löse ich mich völlig, soll ich in den sportraum tanzen, schere ich aus, der langsame Takt. Die Psychoten kommen immer auf einen zu, immer sagen die Ärzte sie kommen auf einen zu, wie ein Leckerlie ins Hundemaul fliegt. Den Makel gilt es zu akzeptieren, mehr Psychologen werde ich mir nicht mehr anschaffen, aus Zeit- und Kostengründen. Ich lausche einem Gespräch über Hunde im allgemeinen und dem Colli von Gunte. Sie sitzt im Tollstuhl und sagt Hunde sind wie Kinder und strampelt mit den Armen. Ich muss rausgehen, einen Hund darf ich nicht, aber ich finde Uwe. Meine Kraft wird zru Klaviersuche aufgewendet und Uwe spielt die Mondscheinsonate fehlerfrei. Der dicke Musiktherapeut hält mich für die Krankenschwester, weil ich die Brauen hochziehe als Uwe redet. Im Innenhof gehe ich nur zur Hälfte die dunkelviolette Stiefmütterchenallee entlang, dann auf die Wiese zu Uwe und versaue die geile Frühlingsluft. Annmarie spielt super Tischtennis für vierundsechtzig Jahre. Die Brigitte gibt Föntips für volluminöse Stylings. Dann Sauergurken im Käsemantel. Ich habe eine Wimper zwischen den Fingern und spiele mit ihr bis mir auffällt, dass es eine Wimper ist. Ich puste sie weg, sie fällt auf den Kugelschreibermine und bleibt kleben als ich schreibe: Das Raupenkettchen hat einen Abdruck hinterlassen.
30.3.08 21:09


aemotional/

Der Pfleger weckt mich der mich nackt gesehen hat. Der immernoch erst reinkommt dann anklopf, der den zu Igelstacheln gegelten Kopf senkt, wenn man ihm auf dm Gang begegnet. Dieser fiese dicke kleine Kerl stellt sich immer erst einmal in die Eingangshalle und schreit das Frühstück aus wie den Fahnenapell, dann reißt er alle Türen auf um jeden einzelnden zu holen. Jetzt steht er Skifahrer vorgebeugt da und wartet, dass ich abnicke: genau der gleiche fragende Blick wie er ins Bad geplatzt war. Ich winke ab; soll er die anderen so tyrannisch wecken gehen. Beim Frühstück fällt Herrn Dimke auf, dass ich nicht guten Morgen gesagt habe. Natürlich hatte ich nicht guten Morgen gesagt, ich sage nie guten Morgen. Zu scnell frage ich, ob ich es tatsächlich nicht getan hätte und hole es nach: Ich hätte es vergessen. Dabei würde ich es nie vergessen, sondern einfach nicht sagen. Der Kopf hat es abgehadelt: Morge - Morgen. Das war's. Ich setze mich wieder in mein Zimmer und schreibe wie Tilman Ramstedt, das ist nicht schlimm. Dann setzte ich mich auf mein Bett und schreibe neunzehn Gedichte neben Jan Wagners achtzehn Pasteten, das ist sehr gut. Nun schlummere ich doch ein wenig bis Uwe reinkommt und will, dass ich seine Biografie lese. Die standhafte Nina macht klar, dass sie schlafen will. Doch ihr Schreibtrieb lässt sie nicht los. Ich stehe bald auf um Uwe meine Idee zu verkünden, dass ich einen Artikel über ihn schreiben will und natürlich ist er begeistert. Allerdings lässt er mich danach kaum mehr in Ruhe, erzählt sein halbes Leben und wie unterbricht mant jemanden der von Mißhandlungen spricht. Ich werde zur geduldigen Journalistin, ganz pragmatisch; lese schonmal die Biografie die er mir gegben hat und mache Notizen. Letztlich unerbricht mich No und wir spielen bis zum Abend Tischtennis. Als er kam hatte er schon schlechte Laune von der rothaarigen Krankenschwester: Sie hat ihm gesagt, dass er heute aber pünktlich gehen muss. Beim Essen wird er,junger Mann, wieder von ihr angesprochen, dass er hier nicht in Pension sein. Weil ihm das Essen sonst angeboten wurde ist es bescheuert das jetzt zu sagen,vor allem weil immer so viel übrig bleibt. Mit Mensch ärger dich nicht spielt No seinen Ärger weg, ich bekomme ihnzwischendurch, ich verliere immer. Beim Spielen kommt malwieder Herr Marx ins Zimmer. Er weiß nie wo sein Zimmer ist und seine Schuhe und sein Essen und sein Kamm. Demnach ist die Frisur schon ganz marx und er hat ein Kurzzeitgedachnis vom Gangende bis Ganganfang. Er wir auch leicht aggressiv, wenn man ihn anspricht, sagt er, dass er einen hört, aber er reagiert trotzdem nicht. Ansonsten nervt heut nur noch Thomas wie immer mit seinem ständigen Reden und der ganzen Person. No weiß noch nicht, ob ermich morgen besucht.
30.3.08 07:34


zentriert/

Seht mir alle zu! Seht ihr alle die ersten Schritte der ersten Woche. Seht nur! Schenkt mir Blumen! Ich mag Nelken am liebsten! Aber ich nehm' auch die anderen! Nelken mit ihrem gesprenkelten polnischen Charme! Hat mir meine Oma immer zum Genurtstag geschenkt! Weil ich sie wollte! Und ich will sie, ich will sie, ich vertrage sie schon! Ich will Blumen, Kränze, Sträuße, in kleinen Vasen, langen Vasen, wozu Vasaen! In Alufolie, in Krepppaier,lose, einzelnd, bunt gemischt! Blumen will ich von euch! Von ganz Berlin und von überall her (und am liebsten Nelken)! Aber Gerbera sind auch total schön und Narzissen, mein Gott ich steh total auf gelb! Alles, nur her damit: eure Glückwünsche, euren Applaus! Ja, schlagt die Hände ineinander und gegen einander und gegen jede Wand! Hände will ich sehen, Hände! Eure Hände,wie sie klatschen, wie sie grüßen, wie sie jubeln in die Höhe gestreckt! Und fröhlich winken sie mir zu, wenn ihr mich kommen seht! Wenn ihr mich kommen seht und immerfort auf mich einredet! Mir sagt, dass ich bin, dass ich genial, obersupa, spitzen 1A, yeah! Schreit mir richtig ins Ohr, als wäre ich eure taube Tante, bis ich taub bin wie eure Tante! Ruft mir zu, was ich hören will, was ihr sagt, was ihr mir sagt! Und bitte Pralinen! Egal in welcher Form! Schokolade, fettgebadete Kakaobohnen im Nina-Schriftzug in Bierteig fritiert! Nur her, nur her damit! Alle verschimmelten Ostereier, die ihr bis Weihnachten aheben wolltet! Alles in Farbe, mit Farbe, die Farben für mich! Steckt sie mir in den Mund, in den Hals, in die Ohren und Nasen, in den ganzen Kopf! Ohne Scheu bitte, ich bin da ganz offen! Pausenlos müsst ihr mich vollpumpen! Pausenlos mit Nelken und Beifall und Jubel und Süßkram! Pumpt mich voll! Nie platze ich! Nie bin ich voll genug! Nichts ist mir genug! Nichts reicht mir! Es kann nichts reichen, egal was ihr tut. Es geht nicht! Es kann nichts reichen und nichts ergibiger sein, als dieser Schritt, als wenn ich sage: Hiermit trete ich dem Tischtennisverein Tiergarten e.V. bei!
30.3.08 05:14


Löschpapier mitgebracht/

Ich nehme gleich nach dem Aufstehen ein rosa Blatt aus der Schublade, genaugenommen ist es wurst-farbenes Löschpapier. Ganz zuerst schreibe ich in großen sauberen Buchstaben: beim Alleinsein Tannen malen. Es ist besprochen, dass es gegen die Traurigkeit hilft. No findet die Tannen nicht schön; ich sagte ihm schon, dass es sich nicht um Christbäume handelt. Meine Tropfen Rispadal ziehen im Kopf hin und her, ich rolle demnach mein Blatt immer wieder zusammen und spiele Ping Pong im Schlaf. Zwischen den ersten zwei Mahlzeiten schlafe ich nur, aber die Gedanken sind eindeutig: ich werde dann schreiben: bei Problemen aufstehen. Kartoffelsuppe stärkt. Ich telefoniere mit heller Stimme mit einer fröhlichen Frau und frage, ob ich in ihre schöne Wohnung ziehen kann. Es klappt, weil die andere Bewerberin abgesagt hat. Ich mache ein deutliches Häkchen hinter: Ruhe auf mittlerer Basis. Aus dem Münztelefon kommt kein Restgeld, aber mit neuer Wohnung brauche ich das nicht. Ich bin neugierig auf die Ein-Zimmer-Wohnung in Neukölln. Auf meinem Papier steht die Frage, worauf ich neugierig bin. Vor lauter Lebensplanung gehe ich ins gemachte Bett, mit Sachen an. Als No kommt, bringt er eine Mini-Pizza Italia, die ich versuche ihm größtenteils zu überlassen. Er lässt mir dann die Wahl; wir nehmen: eine Station die S-Bahn, bis zum Hauptbahnhof die Füße. Das Spreeufer ist leer, nur ein schwarzbemantelter Mann rennt mit neongrünem Kinderwagen vorrüber. Wir sind ganz alllein mit Berlin und keine Probleme mit der Sonne. Bei McPaper kaufen wir ein zweites Nina-No-Heft, in Wirklichkeit heißt es Friedrich-Wilhelm. Die Verkäuferin zählt eigenhändig das Kleingeld aus meiner Hand, als wäre ich eine Oma beim Fleischer und ich sage: die Verkäuferin zählt eigenhändig das Kleingeld aus meiner Hand, als wäre ich eine Oma beim Fleischwarenhändler. No versteht das, es ist spät, wir fahren zurück. In der S-Bahn sitzt ein Mann mit einem riesigen Kopf, aber sonst ziemlich klein. Den wurstfarbenen Zettel habe ich dabei, hohle ihn aber erst raus als wir auststeigen, weil er ihn sonst frisst. Aber im Gehen kann man schlecht schreiben: nur an wichtigen Dingen sparen. No bestellt eine große Pizza Italia. Wir essen sie auf der Bank vor der Straße und schauen auf den Balkon gegenüber Leuten beim Blumeneintopfen zu. Wir gönnen uns eine richtige Pause und das kommt aufs Papier. Beim Duschen entspannen wir so sehr, dass das Wasser bis fast unter den Türschlitz durch läuft. No sagt, ich soll ihm keinen Blasen und ich finde das ist sein Witz des Tages. Ich verkünde feierlich, dass ich einem Tischtennisverein beitreten werde und er lacht.
29.3.08 07:27


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung